Die Kunst der Public Relations

«Public Relations» (PR) ist die Kunst, sich selbst oder sein Produkt in der Öffentlichkeit in ein gutes Licht zu stellen, und zwar «durch das gesprochene oder gedruckte Wort, durch Handlungen oder durch sichtbare Symbole», wie es der deutsche PR-Pionier Carl Hundhausen 1937 formulierte.

Während vieler Jahre stand an der Geländermauer einer Brücke im Zürcher Kreis 4 der gesprayte Slogan «Zl. d. pol. Gef. im HS» zu lesen. Als damals gut informierter Linker konnte ich mir zusammenreimen, dass damit wohl «Zusammenlegung der politischen Gefangenen im Hochsicherheitstrakt» gemeint war; ich habe jedoch meine Zweifel, ob die Botschaft auch beim Durchschnitt der Bevölkerung ankam. Selbst wenn der Text ohne Abkürzungen ausgeschrieben worden wäre: Das Schicksal der Mitglieder der «Roten Armee Fraktion» (RAF) und anderer militanter Gruppen in Deutschland, die in Isolationshaft sassen, bewegte hierzulande nur einen kleinen Kreis von Leuten. Und obwohl ich selbst damals mit diesen Leuten verkehrte und auch ihre Flugblätter las und ihren Reden zuhörte: Ich habe nie ganz begriffen, was sie mir sagen wollten; mein Verdacht war, dass sie glaubten, sie müssten nur mit wehenden Fahnen vorangehen, dann würden sich die Massen ihnen anschliessen. Dies zeigt, dass das gesprochene, gedruckte oder gesprühte Wort allein es nicht ausmacht: Wer Menschen ansprechen will, muss sich Gedanken über sein Zielpublikum machen, seine Bilder und seine Sprache so wählen, dass die Leute sie auch verstehen.

Als wahres PR-Monster entpuppt sich in letzter Zeit mal wieder der Fussballclub Zürich. So sehr ich es schätze, dass der Präsident «einer von uns» ist, und nicht etwa ein Investor aus China, den USA oder Tschetschenien: Menschenkenntnis scheint keine seiner Kernkompetenzen zu sein, das weiss man spätestens seit 2022, als er auf den begeisternden Motivator André Breitenreiter den introvertierten Grantler Franco Foda als Trainer folgen liess. Als Sportchef einen Spielervermittler einzusetzen, der sich gern hemdsärmelig gibt (böswillig könnte man auch sagen: einen Gangster-ähnlichen Habitus pflegt), ist meiner Identifikation als Fan nicht zuträglich, genausowenig wie einige von dessen Personalentscheidungen (etwa das Engagement eines Verteidigers, der der vielfachen Vergewaltigung bezichtigt wurde). Ich habe mich in der letzten Saison mehrmals dabei ertappt, dass mir Niederlagen des FCZ mehr Schadenfreude als Frust bereiteten, und ich war damit nicht der Einzige.

Ebenfalls kein PR-Seminar besucht hat offensichtlich die Fankurve des FCZ, die Südkurve. Nun haben uns deren Vertreter:innen seit Jahrzehnten versichert, sie seien keine «Hooligans», sondern «Ultras», die das Fussball-Fantum als friedliche Freizeitbeschäftigung betrieben. Grosse Teile der Kurve haben gegen die Verpflichtung des besagten Verteidigers protestiert und damit ein Zeichen gegen toxische Männlichkeit gesetzt. Die sympathischste Kurve der Schweiz, oder nicht? Und dann das: In ihrem neuen Lied, das sie seit einigen Wochen singt, ist im Refrain immer wieder klar und deutlich zu verstehen: «Mir jaged oi dur d Strasse». Mit «oi» sind offensichtlich GC-Fans gemeint. Aber sorry, geht’s noch? Und es sind nicht nur einige junge Heisssporne, die dies singen, die ganze Kurve singt mit. Von wegen «keine Hooligans».

Will man die Menschen ansprechen, hat man es ja ein Bisschen in der Hand, wie man rüberkommen will. Sein Selbstbild als geiler Siech zu pflegen, hilft meistens nicht. Ausser man ist ganz oben und wird US-Präsident.

Dieser Text erschien am 27. Juni 2025 im P.S., www.pszeitung.ch.