Interviews im Fernsehen nach sportlichen Wettbewerben sind eine leidige Sache. Egal ob Sportler oder Trainerin, es werden immer die gleichen Plattitüden bemüht. Eine davon ist die «harte Arbeit». Der Sieg war selbstredend das Ergebnis harter Arbeit, und jetzt muss man weiter hart arbeiten, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Umso mehr muss man nach der Niederlage hart arbeiten, um aus dem Tief
Schlagwort: Fussball
Die Kunst der Public Relations
«Public Relations» (PR) ist die Kunst, sich selbst oder sein Produkt in der Öffentlichkeit in ein gutes Licht zu stellen, und zwar «durch das gesprochene oder gedruckte Wort, durch Handlungen oder durch sichtbare Symbole», wie es der deutsche PR-Pionier Carl Hundhausen 1937 formulierte.
Während vieler Jahre stand an der Geländermauer einer Brücke im Zürcher Kreis 4 der gesprayte Slogan «Zl.
Abgezockt
«Abzockerei!» zwängelen die Initiant:innen der «Halbierungsinitiative» angesichts der Radio- und Fernsehgebühren von jährlich 335 Franken, die sie gern auf 200 Franken halbiert haben möchten. Darum, dass sie anscheinend nicht rechnen können, geht es hier aber nicht. Das SRF soll dann weitere Angebote abbauen, die die Privaten ja angeblich via Pay-TV weit besser und günstiger bereitstellen
Der Tag, als der Fußball verschwand
Im Büro hatte niemand von meiner Verspätung Notiz genommen. Da keiner mich danach fragte, brachte ich das Thema halt in der Kaffeepause selbst aufs Tapet und erwähnte wie nebenbei, dass ich partout die Saisonkarte nicht finden könne und mir deshalb heute Abend noch ein Ticket kaufen müsse. Was mich aber nicht reue, da der Eintrittspreis ja dem FCH zugute käme.
Was ich denn schauen wollte, fragte Sepp.
Nun war der Sepp einer von den ganz und gar unerträglichen Fußballexperten. Wenn du wissen wolltest, wer 1958 spanischer Meister oder 1977 Bundesliga-Dritter wurde, und welcher Spieler im Meistercup-Final 1986 den ersten Elfmeter verschossen hatte, dann warst du bei ihm an der richtigen Adresse. Zwar besuchte er niemals Spiele der nationalen Liga, da er, wie er sagte, dieses Holzhackergekicke nicht ertragen konnte, aber hatte man ihm einmal das Stichwort gegeben, konnte er endlos über Transfers und Trainerentlassungen in der dritten irischen Liga referieren. Und der Sepp fragte mich nun, was ich denn schauen wollte.
«Fußball», erwiderte ich leicht sarkastisch.
«Fußball», wiederholte er mit nachdenklichem Blick, «Fußball – ja, ich glaube da war mal was.»
Veräppelte er mich nun? Er veräppelte mich, ganz klar. Normalerweise wäre ich nicht um eine träfe Antwort verlegen gewesen, aber der Sepp war einer von den Menschen, die das alberne Sprücheklopfen gern in einen kleinen Krieg umwandelten; er genoss es, einen Schritt für Schritt tiefer in den Fettnapf zu lotsen. Sepp dominierte so jede Gesprächsrunde, obwohl ihn kaum jemand wirklich mochte – irgendwie endete jede Unterhaltung mit ihm in einer Niederlage. Es war Zeit für einen Themawechsel.
Nach Feierabend wickelte ich mir den FCH-Schal um den Hals und fuhr direkt zum Stadion, um mich die eineinhalb Stunden bis zum Spiel schon einzustimmen, mit den eintrudelnden Kumpels ein paar Bier zu kippen und die letzten Neuigkeiten auszutauschen. Im Tram war ich der einzige Fußballschalträger. Das war noch nie vorgekommen. Sehr seltsam. Auch beim Stadion keine Menschenseele. Die Ticketschalter waren geschlossen, die Eingänge unbewacht. Ich linste ins Stadioninnere und kletterte dann über ein Drehkreuz. Das Stadion war leer mit Ausnahme eines Läufers, der einsam seine Runden drehte auf der Tartanbahn, die das Spielfeld umfasste. Die weißen Linien fehlten auf dem Rasen, nicht mal die Tore standen da. Ich musste mich im Datum geirrt haben.
Der Sepp ist ein Depp, dachte ich. Nein, Depp ist zu wenig. Ein Arschloch. Er kannte den Spielplan, kein Zweifel. Und statt mich auf meinen Irrtum hinzuweisen, machte er sarkastische Sprüche und ließ mich ins Leere laufen. Ich stellte mir vor, wie er sich gerade jetzt mich vor dem leeren Stadion ausmalte und seinen Triumph genoss. Meine Laune sackte in den Keller und ich brauchte dringend ein Bier.
Die «Eintracht» war gut besucht. Monika stand an der Bar mit ihrem großen Bier und dem leeren Wodka-Shotglas vor sich, wie immer wenn ich das Lokal betrat. Auf der Bank an der Wand saßen Beni und Berti, die anderen Anwesenden kannte ich nicht. Waren wohl wieder alle im Fumoir am Rauchen. Im Fernseher an der Wand lief ein Volleyballspiel. Ich stellte mich zu Monika an die Bar und bestellte mein Bier.
«Heyyy, verschärfter Schal!», machte Monika und griff nach dem einen Ende, um ihn mir vom Hals zu wickeln. «FC Herzblut, so geil!» Monika war wie immer nicht mehr ganz nüchtern. Ich kannte sie nur so. Niemals vollends besoffen, aber auch niemals wirklich nüchtern. «Was heißt FC?», fuhr sie fort, «Federballclub? Ist mal etwas anderes als immer nur Volleyball, Basketball, Handball, Hockey, Curling und all der Scheiß.»
«Und Unihockey», ergänzte ich lachend. Einen Witz hatte ich von Monika noch nie gehört, sie musste heute besonders gut drauf sein. Immerhin hatte sie sich auch schon beschwert, wenn nach Spielen die «Eintracht» von aufgedrehten FCH-Fans überquoll.
«Ja, voll!», rief sie, und zeigte auf den Fernseher an der Wand. Dort lief jetzt ein Unihockey-Spiel. «Champions-Cup-Halbfinal», sagte Monika und verzog ihre Mundwinkel.
«Aber schon seltsam», rief ich Tom, dem Barkeeper zu, «sonst läuft doch hier immer Fußball?»
«Fußball», wiederholte Tom fragend, «Fußball – ja, ich glaube da war mal was.»
Irgendwie fand ich den Tag langsam etwas zu verwirrend. Ich erinnerte mich meines Handys und startete die Sport-App meines Vertrauens, um nachzusehen, wann denn das Spiel tatsächlich stattfand. Unter «Resultate und Tabellen» kam der Fußball normalerweise an erster Stelle; heute hatte man anscheinend die Reihenfolge geändert. Volleyball, Basketball, Unihockey, Handball, Eishockey, Tennis, Curling… Ich scrollte nach unten. Radsport, Formel 1, Motorrad, Leichtathletik, Badminton, Ski alpin, Langlauf, Skispringen, Snowboard. Die Liste war zu Ende. Das musste ein technischer Fehler sein, oder irgendein Hacker hatte den Fußball gelöscht. Aber auch die Russen und sogar die Saudis lieben Fußball, wer sollte sowas tun. Ein beklemmendes Gefühl erfasste mich. Ich öffnete die Websites meines bevorzugten Fernsehsenders, meiner Tageszeitung. Kein Fußball, nirgends. Die Websites des FC Herzblut und des FC Böserfeind existierten nicht mehr: Server nicht gefunden. Selbst zu Anfragen nach «FC Barcelona» oder «FC Bayern» hatten die Suchmaschinen nur Tourismus-Informationen im Angebot. Der Fußball und alles, was damit zusammenhing, schien über Nacht verschwunden, zu einer vagen Erinnerung verblasst. Nur in mir und meinem Schal hatte er, aus einem unerfindlichen Grund, überlebt.
Vier Bier später hatten die Unihockeyanerinnen von Pixbo Wallenstam ihr Halbfinalspiel gewonnen, im Fernsehen lief nun Snooker, und meine Welt war noch kein Bisschen weniger aus den Fugen. Ich bestellte noch eins, und einen Wodka dazu. Aus der Stereoanlage hüpfte volkstümliche Popmusik, dann säuselte Bossa Nova – was war nur in Tom gefahren, sonst gab er doch immer gern den taffen Rocker.
«Eine Welt ohne Fußball», sinnierte ich, «ich werde mich daran gewöhnen. Alles ist erträglich, solange der Rock ’n’ Roll nicht stirbt.»
«Rock ’n’ Roll», wiederholte Monika nachdenklich, «Rock ’n’ Roll – ja, ich glaube, da war mal was…»
Von Museen und Stadien
Was haben der Fussball und die Wirtschaft gemeinsam? Die unten fressen Gras, und die oben schöpfen das Geld ab – so viel, dass sie nicht wissen, was damit anfangen. Deshalb muss bei denen oben alles gross und glänzend sein, denn sie wollen ja dann am WEF wie der Bono mit den Grossen aus Wirtschaft und Politik mitglänzen können. So hat sich der Sepp mit dem Fifa-Museum ein grosses, glänzendes
Anti! Anti!
Heute darf ich wieder einmal mit einer Vertretungskolumne aushelfen. Dieses Mal mit vielen Anführungszeichen – ich hoffe, dass das Layoutprogramm beim P.S. diese automatisch in die richtige Form bringt, damit Redaktorin Nicole Soland beim Layouten nicht «Vögel bekommt».
Mit Nicole teile ich die Leidenschaft für den FC Zürich. Und dieser ist, zu Recht, stolz auf den Schweizermeisterinnen-Titel
Spassbremse
Dies ist hoffentlich vorderhand meine letzte Ersatzkolumne; in zwei Wochen werden Sie hier wieder Ina Müller lesen können. So will ich mich noch etwas unbeliebt machen: Ich bin nämlich nicht nur ein Warmduscher (vgl. P.S. vom 5. Juli 2007), sondern, noch viel schlimmer, auch eine Spassbremse. Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen Spass hätte. Ich liebe Spass. Nur nicht jederzeit, überall
